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Starker Franken und Ressourceneffizienz

 Was hat der starke Franken mit Ressourceneffizienz zu tun?

 


Die Frankenstärke prägt in den letzten Jahren den Geschäftsgang eines grossen Teils der Schweizer Unternehmen. Viele Unternehmen mussten Preiszugeständnisse machen, um trotz Frankenstärke von der guten Nachfragelage profitieren zu können. Dies führt zu der vielfach beschriebenen Erosion der Margen.

 

„Die Unternehmen zogen alle Register des unternehmerischen Instrumentariums, um die negativen Auswirkungen abzudämpfen. Die erzielten Effizienzsteigerungen wurden aber laufend von der fortschreitenden Aufwertung des Schweizer Frankens zunichte gemacht“ (Zitat Swissmem, Feb. 2012).

 

„ Sparen reicht nicht, Innovation ist der grösste Hebel bei der Überwindung des starken Frankens. Preisreduktionen von 20 Prozent oder mehr, wie sie die Erstarkung des Schweizer Frankens erforderlich gemacht hat, kann man nicht nur durch Sparen kompensieren“, sagte Swissmem-Präsident Hans Hess (Industrietag 2011). Es brauche einerseits Produktinnovationen, für die die Kunden bereit seien, 20 Prozent mehr zu bezahlen. «Und es braucht Prozessinnovationen, die es uns erlauben, 20 Prozent der Herstellkosten zu senken», sagte Hess.

 

Die Kursänderung der Schweizer Frankens im Vergleich zum Euro machte tatsächlich zwischen Ende 2009 und Ende 2012 ca. 20% aus. Die Kursdifferenz wird aber nur auf dem Teil des Ertrags wirksam, welcher in Euro abgewickelt wird, und gleichzeitig können durch den Anteil Ware und Energie, welcher in Euro eingekauft wird, gewisse Einsparungen erzielt werden.

 

Verschiedene Studien im In-und Ausland (auch von Swissmem) zeigen, dass das durchschnittliche Einsparpotential durch effizientere Ressourcennutzung bei produzierenden KMU in der Grössenordnung von 15-30 % liegt. Doch: Vermögen solche Einsparungen den Margenschwund durch die Frankenstärke aufzuheben? Wir haben für die Beantwortung dieser Frage ein einfaches Simulationsmodell aufgestellt.

 

Unsere Simulation zeigt folgendes: Bei einem Umsatz von 80 Mio. CHF und einem Exportanteil von 70% kann der Ertragsrückgang (bei voller Abwälzung der Wechselkursdifferenz) schon durch Einsparmassnahmen bei Material und Energie in der Grössenordnung von 14% kompensiert werden.

 

Bei vielen Unternehmen besteht dieses Potential, Optimierungsmassnahmen können in der Regel aber nicht alle von heute auf morgen umgesetzt werden. In Kombination mit Produktionsinnovationen, welche einen höheren Verkaufspreis rechtfertigen und mit einer Optimierung der Produktionsabläufe (lean production), wo ebenfalls ein grosses Potential vorhanden ist, kann ein realistisches Szenario zur Kompensation der Verluste durch den starken Franken folgendermassen aussehen:

•    Einsparungen bei den Ressourcenverbräuchen (Material und Energie): 5%
•    Einsparungen durch Optimierung der Produktionsabläufe: 5%
•    höherer Preis durch Produkteinnovationen: 5%

 

Dies bedeutet, nicht 20% Preiserhöhung und/oder 20% Einsparungen sind notwendig zur Kompensation der Margenerosion, sondern 10% Einsparungen plus 5% Preiserhöhungen. Die Umsetzung dieser verschiedenen Potentiale bedingt eine integrierte Betrachtungsweise von Prozessabläufen und Produktegestaltung. Die systematische und übergreifende Untersuchung von Produktionsabläufen, Material- und Energieflüssen kann wesentlich zu Umsetzung solcher Einsparungen beitragen.

 

Maurice Jutz, März 2013

Wie viel Effizienz darf es denn sein?

 

Thomas Heim, Februar 2013

 

Sicher sind Sie auch schon vor einem modernen Bild gestanden und haben sich gefragt, was es wohl darstelle. Ich helfe mir jeweils, indem ich mir vorstelle, es sei eine wissenschaftliche Darstellung eines komplexen Sachverhalts, und versuche herauszufinden, welche Daten den verschiedenen Umrissen, Linien und Punkten zugrunde liegen.

 

Manchmal ist es aber auch umgekehrt: eine wissenschaftliche Darstellung sieht aus wie ein Bild, und plötzlich besteht der Eindruck nicht mehr nur in der Wiedergabe objektiver Daten, sondern man stellt sich unwillkürlich eine Szenerie vor, welche von der Darstellung gewissermassen man an die Wand gemalt wird.

 

Gerade bei Darstellungen zum Thema Umweltprobleme oder Ressourcenverbrauch im Verlauf der Zeit geht es mir oft so. All diese Plots haben eine fatale Gemeinsamkeit: links unten beginnen sie in einem harmlosen Bereich, dümpeln jahrelang vor sich hin, um etwa in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zu jähen Sprüngen anzusetzen. Egal, ob man Schadstoffemissionen , Kohlendioxidgehalte in der Atmosphäre, Ressourcenverbräuche oder andere Indikatoren gegenüber den Jahrzehnten aufzeichnet: immer entsteht ein "rechtslastiges" Bild: eine Art Berg, wie er in seiner Eintönigkeit wohl kaum von einem namhaften Künstler gemalt würde.

 

Typisch "rechtslastig" ist zum Beispiel eine Darstellung des globalen Ressourcenverbrauchs in den vergangenen hundert Jahren.  Zunächst verbleibt die sog. „Global Material Extraction“ als Mass für die totale Materialentnahme aus der Umwelt (ohne Wasser) unter 10 Mia. t/Jahr, erreicht Mitte der 60er-Jahre 20 Mia. t, um dann rasant weiterzusteigen. 2010 sind wir bei 60 Mia. t angelangt, und ein Abflachen der Kurve ist nicht abzusehen. Der Verbrauch steigt weiter an, ob es sich bei der Entnahme oder „Gewinnung“ nun um Baumaterialien, Energieträger, Biomasse oder Erze handelt. Unwillkürlich fragt man sich, wo diese Entwicklung wohl hinführen wird.

 

Um Ihnen schlaflose Nächte wegen dieser Frage zu ersparen, versuche ich selber, eine Prognose zu machen und daraus Handlungsvorgaben abzuleiten. Es wäre doch schön, wenn der "Ressourcenberg" auf unserer Darstellung im Verlauf der Jahre wieder zu einer abfallenden Flanke kommen würde, wie es sich für einen richtigen Berg gehört. Dazu ist jedoch eine Verbesserung der Ressourceneffizienz nötig, darin sind sich alle einig. Nur: Wie viel Effizienzsteigerung soll es denn sein?

 

Legen wir unserer Betrachtung unseren heutigen Fussabdruck zugrunde. Für den durchschnittlichen Schweizer, die durchschnittliche Schweizerin, wird er mit 2.8 angegeben. Das heisst: Würde jeder Erdenbürger auf ähnlichem Fuss leben, brauchte es 2.8 Erden, um die kumulierten Ressourcenbedürfnisse zu befriedigen. Im Massnahmenplan Cleantech des Bundes vom Jahr 2011 wird deshalb richtigerweise gefordert, dass wir unseren Fussabdruck auf 1 reduzieren müssen, und zwar innert 40 Jahren. Konkret: in 40 Jahren soll unser Ressourcenverbrauch etwa auf ein Drittel gesenkt werden.

 

Was ist die Ausgangslage? - Wenn wir von einem jährlichen Wirtschaftswachstum von nur 1% bei etwa gleichbleibender Bevölkerung ausgehen, steigt der Ressourcenverbrauch in 40 Jahren etwa um den Faktor 1.5, sofern die Ressourceneffizienz nicht verbessert wird. Wir hätten dann einen Fussabdruck von 4.2 (1.5 mal 2.8), den es auf 1 zu vermindern gilt. Kurz zusammengefasst heisst das: in den kommenden 40 Jahren muss die Ressourceneffizienz um den Faktor 4 reduziert werden. Das bedeutet: Es sind Innovationen nötig, um die Effizienz im Umgang mit Energie und Materialien pro Jahr um satte 4% zu steigern.

 

Zwei klare Aussagen lassen sich aus dieser Abschätzung ableiten: Erstens genügt die bisherige jährliche Effizienzsteigerung in Zukunft bei weitem nicht – sie betrug für die letzten 30 Jahre etwa 2% pro Jahr. Und zweitens ist es schlicht unmöglich, die geforderte Verbesserung allein durch Innovationen im Bereich Energieeffizienz zu erzielen. Was in der Schweiz vor allem fehlt, sind konkrete Massnahmen zur gezielten Verbesserung der Materialeffizienz. Auf dass es nicht bei der abstrakten Darstellung bleibe....


InternalBlog

Der interdisziplinäre Kaminfeger

Thomas Heim, August 2012

 

Neulich war in unserem Haus der Kaminfeger, um Kamin und Cheminee zu putzen. Fleissig wurde gerusst und gesaugt, am Schluss war alles blitzblank. Nebenbei stieg der Schwarze Mann aufs Dach, schaute in den Kamin  und überprüfte später Verschiedenes im Keller. Auch ein Merkblatt darüber, was im Cheminee verbrannt werden darf und was die Luftreinhalteverordnung alles verbietet, bekam ich ausgehändigt – und dann war die Arbeit erledigt.

 

Was mich zuerst etwas etwas erstaunte: Während der Arbeit wies mich der Kaminfachmann darauf hin, dass der „Dachkännel“ (Dachrinne) wegen Falllaub zu verstopfen drohte, und einen zugeschlämmten Abwassereinlauf der Waschmaschine reinigte er gleich selber (ich fand den Posten nachher nicht auf der Rechnung). Auf diese Weise machte er mich noch auf verschiedene weitere anstehende Probleme an unserem Haus aufmerksam, die uns früher oder später Kosten verursacht hätten, so dass rechtzeitig Abhilfe geschaffen werden konnte. Pingeligerweise könnte man ihm den Vorwurf der Kompetenzüberschreitung machen – aber was tut’s: mir als dem Hauseigentümer hat er sehr geholfen.

 

Umweltfachleute wie ich sind ja auch so Kaminfeger. Man bestellt und bezahlt uns dafür, den Abfall anderer zu beseitigen und ihre giftigen oder lästigen Emissionen zu behandeln. Dass wir die Unternehmer auch gleich darauf aufmerksam machen, wie sie Abfälle und Emissionen an der Quelle vermeiden und damit Ressourcen und Geld sparen können – das war für viele Auftraggeber, Verbändes und auch Umweltpolitiker jahrzehntelang nicht im Programm. Erst in den letzten Jahren ernten wir Verständnis für unsere „unternehmerische“ Haltung: Man hat gemerkt, dass es sich lohnt, die betrieblichen Prozesse zu optimieren, so dass zum voraus weniger Verluste entstehen.

 

Kaminfeger bringen Glück – Umweltfachleute auch!

„Was ist eigentlich das Produkt?“

Thomas Heim, Mai 2012

 

Neulich machten wir an einem Sonntag einen Wanderausflug in die Westschweiz. Da die Anfahrt mit dem Zug mehr als nur 20 Minuten dauerte, kaufte ich mir in Olten am Kiosk (oder heutzutage eher „im Kiosk“) eine der aufliegenden sonntäglichen Zeitungen, um es mir bei Kaffee und Mitgebrachtem im Zug gemütlich einzurichten und erst noch informiert zu sein.

 

Schon beim Kauf stutzte ich etwas. Für einen relativ mässigen Betrag bekam ich einen Papierstapel vom Ausmass eines mittleren Buches in die Hand gedrückt. Im Zug dann analysierte ich den Stapel näher, und da stellte sich heraus, dass die Zeitung selber nur den kleineren Teil davon ausmachte. Der Rest waren schwergewichtige Hochglanzprospekte über Kleider und Uhren etc., auch eine Beilage, die ich bereits mit meiner abonnierten Zeitung erhalten (und bereits dort ohne zu lesen fortgeschmissen bzw. fein säuberlich fürs Altpapier gebündelt und bereitgestellt hatte), und dann hatte es noch verschiedene Beilagenblätter, die mich auch nicht interessierten.

 

Irgendwie ärgerte mich das. Ich begann, mir Fragen zu stellen. Wer muss diese Papiermengen herstellen, herumschleppen, entsorgen, bezahlen? Wie sieht die Umweltbilanz aus? Warum „schenkt“ mir da jemand so viel hochwertiges Papier? Und schliesslich: Was ist eigentlich das Produkt, das ich kaufen wollte?

 

Die Frage nach dem Produkt gab mir zu denken. Mir war klar, dass ich Information wollte, und nicht Papier. Und ich wollte keine Zeit verlieren mit dem Aussortieren von Information, die mich nur als Konsumenten werben wollte. Ob ich mir einen Tablettcomputer anschaffen und die Informationen zukünftig papierlos via Internet beschaffen sollte?

 

Jedenfalls beschloss ich, Fakten zu schaffen. Statt das überflüssige Papier gleich wegzuschmeissen und zur Freude des Reinigungspersonals im Zug liegen zu lassen, schleppte ich den Stapel auf der ganzen Wanderung mit und nahm ihn am nächsten Tag ins Büro, um genau zu wägen und ein wenig zu recherchieren. Folgendes kam dabei heraus:

 

Gesamtgewicht des Stapels: 860 g

 

Gewicht der Zeitung: 360 g

 

Gewicht der unerwünschten Beilagen: 500 g (ca. 60%)

 

Auflage: 130'000 Exemplare

 

Pro Sonntag verursacht diese Zeitung somit ca. 60 t nicht verlangtes Altpapier, im Jahr vielleicht 3’000 t. Das entspricht, wenn man publizierten Zahlen vertrauen darf,  einem Verbrauch von etwa 10'000 Bäumen, 7 Mio. kWh Energie, 30'000 t Wasser und einer Produktion von 2’000 t CO2.

 

Ich habe seither keine solche Zeitung mehr gekauft, nehme einfach jeweils die Wochenendausgabe meiner abonnierten Zeitung mit und lese sie nochmals. Besonders beim Feuilleton schadet das gar nicht.

Wieviel Erde(n) braucht der Mensch?

Thomas Heim, Juli 2011

 

Es mag 50 Jahre her sein, dass ich zusammen mit meinem Bruder einkaufen gehen musste. Die Mutter hatte uns alles genau aufgeschrieben, und so konnte mein ältere Bruder beim Metzger getreulich ablesen: ein Pfund Hackfleisch. Und dann fügte er noch hinzu: Es darf auch etwas mehr sein.

 

Ich war wie vom Donner gerührt. Es war mir schrecklich peinlich, ich dachte, er wolle ein Pfund bezahlen und gratis etwas dazu bekommen. Erst nach einigen unruhigen Nächten ging mir auf, dass ja der Metzger eine Waage mit Preisberechnung hatte und somit das ganze Hackfleisch bezahlt worden war. Wie war ich erleichtert, nicht als jemand dastehen zu müssen, der mehr verlangt, als ihm zusteht.

 

Viel später ist mir aufgefallen, dass manche Leute keinerlei solchen Hemmungen haben. Wenn sie etwas bekommen können, greifen sie zu, egal, ob sie es verdient haben oder nicht. Spitzenverdiener zocken ihre Unternehmen mit Boni ab – offenbar als Anerkennung dafür, dass sie zum Beispiel einer Bank milliardenschwere Staatsbeihilfe verschafft und damit zusätzliche Erträge generiert haben.

 

Es ist mir – in dieser Hinsicht immer noch etwas naiv – auch aufgegangen, dass solche Vorgänge etwas mit Macht zu tun haben. Hilflos stehen Aktionäre und Steuerzahler herum, machen die Faust im Sack und schauen dem munteren Treiben zu, das die angeblich unersetzlichen Manager – gestützt von zaudernden Politikern – vollführen. Nun, auch sie (die Manager wie auch die Politiker, aber auch alle anderen...) werden sich dereinst mit etwa zwei Quadratmetern begnügen müssen, wie es einmal Tolstoi in einer Art Abhandlung über Gier und Habsucht dargestellt hat (Wieviel Erde braucht der Mensch?).

 

Aber es sind ja nicht nur die Spitzenverdiener. Im Durchschnitt verbrauchen wir alle so viel Ressourcen, dass es nicht eine, sondern drei Erden brauchen würde, um diese Ausbeutung auf die Dauer zu überstehen. Nur, dass hier die Machtverhältnisse definitiv geregelt sind – zum Glück nicht von opportunistischen Politikern. Die Natur habe immer Recht, hat einmal Goethe festgestellt, der Irrtum sei immer auf der Seite des Menschen.

 

Wenig merkt man allerdings von solchen Einsichten im big business. Während ich viele kleine Unternehmen kenne, wo man sich ernsthaft bemüht, ressourceneffizienter zu produzieren, während auch viele Konzerne, Grossverteiler etc. grüne Produktelinien, Umweltmanagementsysteme etc. aufziehen, wirkt doch das Ganze seltsam zögerlich. Ein sehr intelligent wirkender Spitzenbeamte erzählte mir letzthin, wie sehr ihn das beunruhige, dass der Hunger nach Öl und allen anderen Ressourcen durch die aufstrebenden Schwellenländer und durch unseren eigenen hohen Konsumstandart immer mehr zunehme. Als ich ihn fragte, ob er seinen Einflussbereich zukünftig auf diese Problematik ausrichte (was mit etwas Zivilcourage durchaus möglich wäre), erwiderte er ganz entrüstet, das tue er selbstverständlich nicht, er habe einen Auftrag auszufüllen. Wie ein Kapitän, dachte ich, der im Angesicht eines riesigen Wasserfalls nicht abzudrehen wagt und sein Schiff getreu auf Kurs hält – mitten in die Katastrophe.

 

Oder wie soll man es beispielsweise verstehen, wenn im Wirtschaftsteil der NZZ förmlich darüber frohlockt wird, welche erfreulichen Wachstumsperspektiven der internationale Flugverkehr habe? Selbstverständlich wird auch auf Umweltrisiken hingewiesen – das gehört heute einfach dazu – aber das glaubt ja wohl im Ernst niemand, dass die Grossraumjets in Zukunft mit Solarenergie herumfliegen werden.

 

Vor vielleicht zwanzig Jahren hat in der Wirtschaft und Politik kaum jemand anerkannt, dass es Ressourcenprobleme geben könnte. Entsprechend wurde jedes Handeln in Richtung Ressourceneffizienz als Eingriff in die Märkte abgelehnt. Heute scheint die Erkenntnis weit verbreitet zu sein, dass es diese Ressourcenprobleme tatsächlich gibt. Trotzdem wird jedes systematische Vorgehen als Eingriff in die Märkte abgelehnt. Von der Ignoranz in die Schizophrenie?

 

Irgendwie werden wir es trotz allem lernen müssen, effizienter mit den Ressourcen umzugehen. Und dass es letztlich für alle fatal ist, wenn sich einige zu viel "herausnehmen", sei es aus Gier – sei es aber auch aus Mangel an Effizienz.

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Diabolische Gegensätze...

...verhindern die Diskussion

 

Thomas Heim, Juni 2011

 

Am 7.6.2011 führte eco-net zusammen mit Saguf (Schweizerische Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie) eine Tagung durch, welche der Frage nachging: Welche Forschung führt aus der Krise? Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Ämtern, Politik, Unternehmen und Hochschulen diskutierten Möglichkeiten, Cleantech und Nachhaltige Entwicklung besser in die Forschung zu integrieren.

 

Die Diskussionen waren lebhaft, die Vorträge interessant. Mir fiel aber auf, wie unvereinbar sich die gegensätzlichen Meinungen gegenüberstanden: Hier die Vertreter/innen der absoluten Forschungsfreiheit – dort diejenigen, welche kein Forschungsprojekt mit Steuermitteln finanzieren möchten, welches nicht der Nachhaltigen Entwicklung dient. Im folgenden ein paar Gedanken zu diesem Gegensatz:

 

Es war nicht nett, die Tagung mit einer Frage zu beginnen: Fragen werden "gestellt" (wie Fallen), Fragen "drängen sich auf", Fragwürdiges ist zum Voraus verdächtig. Eine Frage ist wie der Rüssel einer Stechmücke, der eine Vene ansticht und Blut absaugen will.

 

Vergessen wir also die Frage und halten einfach fest: Nachhaltige Entwicklung ist nicht die Laufzeitverlängerung des Bestehenden. Nachhaltige Entwicklung braucht beides: Vergänglichkeit und Innovation. Altes muss verschwinden und Neues muss geschaffen werden; und es ist an uns zu ergründen, wie diese Prozesse zu gestalten sind.

 

Vor 20 Jahren produzierten die Unternehmen Produkte, Abfälle und Emissionen. Die Produkte wurden möglichst gewinnbringend verkauft, für die gesetzeskonforme "Entsorgung" der Abfälle und Emissionen setzte man aufwendige Behandlungstechnologien ein. Im Umweltschutz herrschte End-of-Pipe-Stimmung. Manchmal wurden wiederverwertbare Reststoffe sogar rezykliert, aber die Produktionsprozesse selber wurden vom Umweltschutz nicht berührt. Sie waren aus Gründen der Produktionsfreiheit und Produktqualität tabu. Ich erinnere mich genau: An einer Podiumsveranstaltung schlug ich damals vor, auch die Produktionsprozesse selber zu optimieren, um dadurch Abfälle zu vermeiden. -Abfallvermeidung, hielt man mir von abfallpolitisch gewichtiger Seite entgegen, sei als ob man einer Kuh einen Zapfen in den H... treiben würde, der einzige Erfolg dabei wäre, dass das arme Tier – gemeint war wohl die Wirtschaft – elend zugrundeginge.

 

Heute sieht die Umweltpolitik anders aus. Ressourcenschonung heisst das Gebot – es wird auch vom Massnahmenplan des Bundesrates als höchstes Ziel hervorgehoben. Und allen ist einsichtig, dass Ressourcenschonung ohne ressourcenschonende Produktionsprozesse nicht möglich ist. Immer noch stellen Unternehmen Produkte her und produzieren Abfälle und Emissionen. Aber es ist nun klar: Die Produktion selber muss optimiert werden: der produktionsintegrierte Umweltschutz macht heute den grösseren Teil der Umweltschutzinvestitionen unserer Betriebe aus. Die Umwelt erholt sich dabei – und was ein weiterer Vorteil ist: auch die Wirtschaft profitiert davon dank geringerer Kosten für Energie und Rohstoffe. Die Kuh hat überlebt...

 

Bei Forschung und Entwicklung dagegen herrscht heute immer noch End-of-Pipe-Stimmung. Die Schweiz ist innovativ wie wenige Länder. Und wenn vor lauter Innovation die Umwelt Schaden leidet, weil immer mehr Güter und Dienstleitungen konsumiert werden, erfinden wir flugs eine Technologie, um die Umwelt zu schützen. Allerdings geht uns langsam auf, dass wir dadurch die Ressourcenverschwendung bei weitem nicht in den Griff bekommen: Nachhaltig ist diese Strategie gewiss nicht. Aber die "Freiheit" der Forschung ist tabu, die Qualität der Forschung geht über alles.

 

Es hat 20 Jahre gedauert, bis das alte Tabu in der Wirtschaft: hie Ökonomie – da Ökologie – überwunden war und der produktionsintegrierte Umweltschutz in den Unternehmen Fuss fassen konnte. Dies wurde erst möglich, als die Diskussion nicht mehr um "grün" und "nicht grün" ging, sondern eine Vielzahl von Farbschattierungen dazwischen umfasste.

 

Es wird hoffentlich nicht ebenso lange dauern, bis die "forschungsintegrierte Nachhaltigkeit" realisiert sein wird, bis Aspekte der Nachhaltigkeit in den Innovationen eine wichtige Rolle spielen werden. Lassen Sie mich aber betonen, dass es dabei abermals nicht um einen Angriff auf Forschungsfreiheit und -Qualität geht. Es geht auch nicht um "Markt oder Staat", "Top down oder bottom up", "Interventionismus oder Liberalismus", "Forschungsfreiheit oder Kontrolle" oder was auch immer die Gegensatzpaare sind, welche das Infotainment mancher Medien ausmachen. Solche Gegensätze fördern die Diskommunikation: Sie haben etwas "Diabolisches" (= "Auseinandergeworfenes") und werden immer dann ins Feld geführt, wenn die Diskussion blockiert werden soll. Es geht deshalb auch hier darum, Schattierungen und Zwischentöne zu finden, damit neue Visionen und Möglichkeiten entstehen.

 

 

Das Bild, welches Sie oben dargestellt sehen, besteht aus wenigen Pixeln, die zudem im 1-Bit-Modus dargestellt sind (es stammt wie das folgende aus einem Fotokolleg von Jost Marchesi). Das heisst, jedes Pixel kann nur schwarz oder weiss sein, Grauschattierungen gibt es nicht. Die Darstellung entspricht einer Diskussion, bei der aus einem Thema nur wenige Aspekte herausgegriffen werden, die zudem nur mit ja oder nein qualifiziert werden.  - Schauen Sie bitte, wie dasselbe Bild aussieht, wenn wir eine hohe Auflösung (sehr viele Pixel) verwenden und diese im 8-Bit-Modus darstellen, nämlich mit 2 hoch 8 = 256 Grauschattierungen, wie dies heute jede Pocket-Kamera tut.

 

Die Veranstalter werden sich weiter dafür einsetzten, dass Diskussionen zum brennenden Thema Forschung und Nachhaltigkeit mit der angemessenen Auflösung und den nötigen Schattierungsnuancen geführt werden. Ein wichtiges Resultat in dieser Richtung wurde an der Tagung in Bern mit der Hilfe der Teilnehmenden erzielt. Die Diskussion hat aber noch viele Gegensätze zu überwinden.

 

(Wir werden die Referate demnächst hier verfügbar machen)

 

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Ich bin schlau und du bist blond!

(STJ) Keine Sorge, ich halte den Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Intelligenz für nicht erwiesen. Was da so politisch unkorrekt daher kommt, ist die Antwort meines kleinen Buben auf meine Frage, ob er schon so schlau sei, dass er seine Hose selber anziehen kann. Kinder sind ja manchmal herrlich direkt. In heiklen Situationen, wo sich niemand getraut, etwas zu sagen, platzen sie mit der Wahrheit heraus und entspannen dadurch die Situation. Das würde man sich in der Diskussion um nötige und sinnvolle Massnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation manchmal wünschen.

 

Das ging mir kürzlich durch den Kopf, als ich im Migros-Magazin vom 4. Oktober las, wie ich meine Ökobilanz „markant verbessern“ könnte. Mit dem Staubsauger Miostar AC 3000 Eco würde ich – bei einer Stunde saugen pro Woche – jährlich 12 Franken bzw. 60 kWh einsparen. Statt mich im Solarium (Annahme 100 Stunden pro Jahr) zu bräunen könnte ich durch Bräunen an der Sonne 30 Franken bzw. 150 kWh pro Jahr sparen. Abgesehen davon, dass ich – wie vermutlich die meisten Leute – gar kein Solarium benütze, sind diese Beispiele vom Nutzen her doch eher dürftig. Interessant wird es aber gegen Ende des Artikels: Durch Ergänzung eines herkömmlichen Elektroboilers mit Warmwasserkollektoren könnte ich jährlich 2200 kWh bzw. 440 Fr. sparen, durch ein effizientes Gas-Auto sogar 2300 Fr.! Hier liegt also das wahre Einsparpotential! Das sollte man den Leuten aufzeigen.

 

Statt den Leuten vorzugaukeln, sie könnten durch einen neuen Staubsauger irgendetwas bewirken, sollten neue Techniken gefördert werden, bei denen das Sparen richtig einschenkt. Der Bund macht aber im Moment genau das Gegenteil und kürzt die Budgets für die Technologieförderung beim BAFU. Schade, dass unsere Bundesräte keine kleinen Kinder haben; die würden es ihnen schon sagen.

 

Übrigens: Mein Sohn ist im Gegensatz zu mir selber blond und Schlauheit ist ja bekanntlich das am gerechtesten verteilte Gut: Jeder denkt, er hätte genug davon!

 

Jean-Marc Stoll

 

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Viel Cleantech für wenig Geld?

Thomas Heim, Oktober 2010

 

Dass die Umwelt in unserem Wirtschaftssystem keinen höheren Stellenwert hat, wird oft als sogenanntes Marktversagen bezeichnet. Die Verschmutzung von Wasser, Boden und Luft kostet zu wenig, Rohstoffe und Energie sind zu billig und werden demnach zu stark nachgefragt, sprich: verschwendet.

 

Daran ist sicher viel Richtiges. Die Preise steuern unser Verhalten mit – entsprechend sieht es mit unserem übermässigen "Naturkonsum" aus. Allerdings sind Alternativen denkbar: Rohstoff- und energiesparende Produktionsweisen und Produkte könnten unsere Unternehmen weiter entlasten und ihnen, gerade auch, wenn die Ressourcen knapper werden, Wettbewerbsvorteile verschaffen. Strenggläubige Ökonomen meinen deshalb, sobald sich entsprechende finanzielle Vorteile abzeichnen, würden sofort alle Unternehmen umschwenken und nur noch ressourceneffizient produzieren, zum Wohle der Umwelt und auch des Betriebsgewinns.

 

So einfach, wie sich das manche Theoretiker vorstellen, ist es aber nicht. Vor das Ernten hat die Natur noch immer das Säen gesetzt. Betrieblich gesprochen: wer nicht investiert, wird auch keinen Gewinn abschöpfen können. Das Umschwenken auf ressourcenschonende Produktionsweisen – auf Cleantech -  macht Forschung und Entwicklung nötig, dann Investitionen in Technologien, neue Marketinganstrengungen etc. Kein Zweifel, dass sich das Ganze früher oder später lohnen wird, aber zuerst braucht es schlicht und einfach Geld.

 

Und hier kommt die Politik ins Spiel. Zwar sollen die Politikerinnen und Politiker nicht bestimmen, wer in diesem Land was und wie produzieren soll. Letztlich muss das im Rahmen der bestehenden Gesetze jedes Unternehmen tagtäglich selber tun. Jedoch muss die Politik mithelfen, dass das Interesse der Allgemeinheit in solche Unternehmensentscheide einfliesst und dazu beitragen, dass nachhaltige, ressourcenschonende Produktionsweisen und Produkte einen Markt bekommen und sich zum Wohle aller schliesslich durchsetzen können. 

 

Oft werden an dieser Stelle ordnungspolitische Bedenken geltend gemacht. Es gehe nicht an, dass in den Markt eingegriffen und beispielsweise das Preisgefüge durch staatliche Eingriffe durcheinander gebracht würde. Ich sehe jedoch keinen Grund für dieses Wehgeschrei. Worin besteht denn der Eingriff, wenn nach jahrzehntelanger Tradition einer Ingenieurausbildung ohne Cleantech-Verständnis dafür gesorgt wird, dass unsere fähigen Ingenieurinnen und Ingenieure endlich auch Ökoeffizienz, Ressourcenschonung und Cleantech als mögliche Inhalte und Berufsfelder begreifen? Worin besteht der Eingriff, wenn unsere staatliche Forschungsförderung, statt einseitig auf sogenannte "Marktwirtschaftlichkeit" (was bedeutet das überhaupt bei der Forschung?) fokussiert zu werden, endlich auch Aspekte der Ressourcenschonung gebührend berücksichtigt?

 

Andere Länder wie unsere Nachbarn Oesterreich und Deutschland haben es längst begriffen und in Ausbildung und Forschung investiert und sind auf diese Weise zu Marktführern in wichtigen Cleantech-Bereichen (z. B. Windenergie) geworden. An sich hätte die Schweiz hier sehr viel aufzuholen, will sie wirklich vom weltweit boomenden Cleantech-Markt profitieren. Bis jetzt sieht es aber nicht so aus, dass im angemessenen Ausmass Gelder für Cleantech-Vorhaben bereitgestellt werden. Die Förderagentur des Bundes (KTI) hat dem Vernehmen nach kaum mehr finanziellen Spielraum für Cleantech-Gesuche, ähnlich ist es beim Bundesamt für Energie (BFE) und beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Als besondere Pointe hat der Bundesrat in seinen Sparprogrammen sogar vorgeschlagen, die Umwelttechnikförderung des BAFU zu streichen und so 4.5 Mio. an Ausgaben zu sparen.

 

Meine Damen und Herren im Parlament, wenn Sie diese Vorlage beraten, streichen Sie bitte diesen Sparposten durch. DAS SIND KEINE AUSGABEN, DIE MAN EINSPAREN MUSS, SONDERN INVESTITIONEN IN EINE NACHHALTIGE ZUKUNFT! Und, wie gesagt: Wer nicht sät, wird auch nicht ernten können. Nur vom darüber Reden wird Cleantech kein blühender Wirtschaftszweig.

 

Mit dem Marktversagen haben wir leben gelernt. Hoffen wir das Beste, dass wir nicht auch noch mit einem Politikversagen werden leben müssen.

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